Product no.: Amalia

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Untersuchung an Amalias Augen

Der nächste Termin für Amalia bei unserer Augenärztin steht fest. In regelmäßigen Abständen gehe ich mit meinem Kind zur Sehschule. Amalias „Katzenauge“ beschert ihr immer wieder gründliche ­Untersuchungen, weil sich hinter so einem Auge laut Aussage der ­Ärzte etwas „Schlimmeres“ befinden oder dort wachsen könnte. ­Ich habe es nie für richtig gehalten, zu recherchieren, was dieses „Schlimmere“ sein könnte.
Amalias immer deutlicher werdende koordinative Auffälligkeiten, begleitet von anderen gesundheitlichen Infekten und ihrer Wesensveränderung, lassen uns von Arzt zu Arzt wandern.
Amalia übergibt sich eines Tages auf dem Weg zur Schule im Auto und wir fahren auf direktem Wege ein weiteres Mal zu ihrem Kinderarzt. Er äußert, mit sehr bedrückenden, nach unten auf den Fußboden gerichteten Augen, dass, bei erneutem Auftreten von nüchternen Erbrächen, Amalia in ein Krankenhaus eingewiesen werden müsste.
Diese Szene spielt sich in einer Endlosschleife in meinem Inneren wieder, während ich Amalia im Kinderwartebereich der Praxis beim Malen beobachte.
Mein Herz antwortet mit Schwindel erregendem Tempo und lautem Hämmern, als die Augenspezialistin sagt: „Ihrem Kind geht es gar nicht gut! Ich veranlasse meine Mitarbeiterin, ihre Kontakte zur Uniklinik Köln zu nutzen, damit Amalia spätestens kommenden Dienstag dort augenärztlich untersucht wird. Es könnten aber noch andere Unter­nehmungen folgen, um eine Diagnose zu finden. Ich möchte Ihnen keine Angst machen, aber ich kenne eine Reihe von ähnlichen Fällen, die nicht gut ausgingen!“
Amalia hat schon immer Schwierigkeiten mit der Beweglichkeit ihrer Augen. Nun zeigt sich, dass sie besonders das rechte Auge nicht mehr nach rechts drehen kann. Beim linken Auge sieht es nicht viel besser aus. Manchmal bleibt für einen Moment die Pupille an ihrem Platz stehen, sodass Amalia schielt. Diese Fehlfunktionen führen dazu, dass ihr räumliches Sehen noch weiter eingeschränkt bis gar nicht mehr vorhanden ist. So erklären sich Amalias Bewegungsschwierigkeiten, ihre „komischen“ Reaktionen und ihre eigenartigen Verhaltensmuster.

Eigentlich bin ich ganz gerne hier bei der Ärztin, die meine Augen untersucht. Sie hat leckere Bonbons und Schokopralinen zum Naschen für alle auf dem Tisch verteilt. Ich habe auch schon zwei probieren dürfen.
Heute bin ich nicht so gerne hier, weil ich müde bin. Aber ich möchte trotzdem alle Stifte, die da sind, ausprobieren. Mama freut sich immer über ein schönes Bild. Mama, die auch schön malen kann, sagt immer zu mir: „Du musst den Stift gar nicht so erdrücken. Du kannst ihn ganz sanft in deine Finger legen.“ Ich habe es wirklich probiert, aber meine Finger sind wohl anders. Sie krallen sich immer um den Stift. Ich würde ja so gerne auch so feine Sachen malen können wie meine Mama, aber ich schaffe es nicht. Es macht mich auch immer traurig, wenn die anderen Kinder zu meinem Gemälde sagen, dass es Krixelkraxel ist.
Irgendwie schaffe ich es heute nicht, die Ente auszumalen, ohne über die schwarzen Linien zu zeichnen. Ich höre jetzt auf, gehe zu Mama und warte mit ihr zusammen, bis ich an der Reihe bin. Vielleicht gibt es ja noch ein Schokobonbon.
Ja doch, ich strenge mich so sehr an. Ich soll meine ­Augen drehen. Von rechts nach links. Es geht nicht. Mir wird schlecht. Mir ist schwindelig. Müde, so müde bin ich. Ich sehe zu meiner Mama und spüre, dass es ihr wohl ­genauso geht wie mir, obwohl sie keine Untersuchungen machen muss.
Sie wird immer komischer zu mir. Manchmal schaut sie mich gaaaaanz lange an und ich fühle und sehe, dass sie ­traurig wird. Ich hoffe, dass es nicht so ist – dass ich sie traurig mache. So wie jetzt. Sie spricht mit der Ärztin und sieht dabei angestrengt zu mir. Es geht mir dann genauso. Wenn meine Mama nicht mehr lacht und kein glückliches Gesicht hat, können mein Gesicht und ich auch nicht mehr lachen.

Nach diesem beklemmenden Termin schlage ich Amalia vor, dass wir zum Bäcker gehen und unser Käffchen auswärts genießen könnten. Sie ist begeistert. Vielleicht hat Amalia Lust auf einen Spaziergang, nachdem sie ihr überdimensionales Puddingteilchen verdrückt hat. Ich habe keinen Hunger mehr. Damit Amalia sich nicht sorgt, sage ich, dass mir ein oder zwei Bissen von ihrem Kuchen genügen.

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