Affentheater

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Nächtliche Wanderung

 

Am Wochenende habe ich mal wieder eine Wanderung vorgenommen und habe mich, wie meistens auf meinen Exkursionen, total verfranzt. Ausgeschilderte Wanderwege sind mir meistens suspekt, denn ich laufe doch nicht dort, wo jeder Depp herumrennt. Also zweige ich ab, nehme Abkürzungen oder aussichtsreich anmutende Trampelpfade, weil das auch die Seele berührt und den Orientierungssinn fördert. Seele war eine gewisse Zeit relativ entspannt dabei, aber Orientierungssinn warf gelegentlich Einwände ein, besser aufzupassen. Es kam eine äußerst interessante Kommunikation zustande, der ich geistig konzentriert zuhörte und mich zu wundern begann, wie mehrgleisig der Mensch sich mit sich selbst unterhalten kann. So entstand eine spannende Konversation, in dessen Verlauf sich meine unterschiedlichen Persönlichkeiten scheinbar völlig verirrten. Nun wurde auch Seele nervös und Orientierungssinn fing an hysterisch auf mein Denken einzuschreien. Ich hasse Hysterie – besonders in der Natur! Bis ich wieder alle unter einen gemeinsamen Nenner, sprich Hut, vereinen konnte, wurde es schon verdächtig dunkel. Einige meiner Sinne können bei Dunkelheit nicht mehr sonderlich hilfreich operieren, so dass ich mich mehr auf meinen Tastsinn verlassend durchs Dickicht stolperte und endlich auf einen Waldweg stieß. Sich anhand der Sterne zu entscheiden, wo denn nun die Himmelsrichtungen abzulesen sind, fordert wiederum ein erhöhtes Maß an Konzentration heraus. Mit der Taschenlampe konnte ich mich am Moos der Bäume endlich orientieren, wo Westen liegt. Das kann sehr hilfreich sein, wenn man weiß, woher man vorher kam. In meinem Fall muss ich zugeben, wusste ich nicht mehr, wo ich anfangs eingestiegen bin. Nach längerem Nachdenken fand ich heraus, dass ich mir einen Referenzpunkt erarbeiten musste, um die weitere Wegplanung auszufeilen. Suchen Sie mal einen Anhaltspunkt in der Wildnis, von dem aus Sie ihre Position und die Position Ihres geparkten Autos berechnen können, ohne einen Kompass dabei. Aber mir gelang es! Ich begann spiralförmig von meinem Standpunkt aus auszuschwärmen. Das heißt, ich ging in immer größer werden Kreisen, bis ich gegen vier Uhr morgens endlich gegen mein Auto rannte. So nächtliche Wanderungen werde ich in Zukunft unter meiner Führung anbieten. Wer Interesse daran hat, Geist, Seele und Körper meiner Obhut anzuvertrauen, der soll sich gerne melden.

 

Traumtänzer


Nirgends geht’s so zu, wie auf der Welt – sagte schon meine Oma. Habe mich mal wieder in die Niederungen der Nachrichten und Globalmeldung begeben und dabei festgestellt, dass sich in den letzten Jahren nichts sonderlich verändert hat. Noch immer gibt es Kriege, sind Politiker am Schwafeln, spielt das Wetter verrückt, finden Katastrophen statt und mein Nachbar mault auch ständig im Kreis und bewegt nichts, außer seinen Bierbauch.

Was mich allerdings bewegt, ist die Tatsache – oder besser gesagt, meine gefühlte Tatsache – dass sich bei all dem Ringelreihen satte 95% der Menschen mitdrehen, wobei die Hälfte davon behauptet, sie seien wach und würden da nicht mehr mitmachen. Natürlich verlautbaren diese Wachtänzer denn auch vehement, dass sie die tanzenden Schlafenden bedauern, weil die nicht mitbekommen, wohin die Traumtänzerei letztlich führen würde. Die Wachen wissen also, wohin es geht und wo es langgeht und stellen mannigfaltige Thesen auf, wie die andere Hälfte der Menschheit in den richtigen Wachzustand kommen kann. Selbstverständlich hüllen sich die wachen Wissenstraumtänzer in eine nebulöse Wortwahl, die es erst mal gilt zu entschlüsseln. Und dieses müssten die schlafenden Ringelreihentänzer schon selber machen – schließlich kann man denen doch nicht alles sagen, sonst sind sie bald überfordert, gelle.

Da ich mich zwischen Wach- und Schlafzustand befinde, können mir solche Schein-Erwachte auch nicht helfen. Ich schwinge halt immer zwischen Schlaf und Wachsein hin und her. Sobald mich so ein „Erwachter“ belehren möchte, falle ich spontan in Tiefschlaf. Im Tiefschlaf finde ich dann Mitschläfer, die mich auch ständig belehren möchten, also werde ich wieder wach. Nur in den ganz kurzen Phasen zwischen Wachsein und Tiefschlaf finde ich einen kleinen Moment absolute Ruhe und ich spüre mich alleine, oder besser all-eins. Und immer „dort“ stelle ich überrascht fest, dass es nichts gibt, das mich belehren möchte. Nur ich bin dort – und ich kann sogar beobachten, wie Traum- und Wachtänzer um ihre goldenen Kälber tanzen und sich gegenseitig mit ihren Seh-Quenzen bewerfen. Ich nenne das dann „traumwandlerisches Handballspiel unter Einsatz emotionaler Dumpfheit, verbunden mit lichtdunklen Ausrastern“. Klingt jetzt zwar etwas missverständlich, aber wer so wie ich zwischen den Tanzrealitäten hin- und hergleite, kann mich sicherlich verstehen. Wenn ein anderer mich nicht versteht, ist auch gut.

Nun noch mal kurz zurück zu der sich selbst wach empfindenden Hälfte der Traumtänzer: Sie sind es zum Großteil also, die sich über die andere Hälfte erhebt, weil sie glaubt, das tun zu können – eben, weil sie es tatsächlich auch kann, nicht wahr. Interessant dabei ist, dass die andere Hälfte der schlafenden Traumtänzer das gar nicht juckt und lustig weiter Ringelreihen tanzt. Das macht die Wachtänzer gelegentlich gar nicht lustig und sie reagieren etwas säuerlich darauf. Und weil das so ist, haben sich einige von ihnen dazu entschlossen, Meister ihres Fachs zu werden. (Ich kann das leider nicht, weil ich ja hin und her springe und ich dabei ICH bin, nicht wahr!). Diese Fachmeister nun versuchen mit allen möglichen Verbalitäten und Aktionen die noch schlafenden Traumtänzer wach zu rütteln und verausgaben sich dabei vielfach enorm. So sterben diese armen Meister und Meisterinnen nach und nach weg und beginnen ihren Inkarnationskreislauf wieder von vorne – wie ich mir das vorstelle. Wer nun wie und warum stirbt, ist eigentlich belanglos – bis auf den, den es erwischt, aber das kann man getrost beiseitestellen. Allerdings stellt sich mir schon die Frage, warum alle Träumer zusammen so ein Gezeter machen, wenn doch eh alles gleich gültig ist!?

Wenn ich Lust verspüre, tanze ich mit allen – ob nun mit einem schlafenden oder wachen Traumtänzer. Und ich kann mir das leisten – gehöre ich doch zu den 5%, die selber bestimmen, womit und mit wem sie tanzen. Aber mal ehrlich – ob es diese ominösen 5% wirklich gibt, können wir gar nicht sagen, denn diese haben sich bei mir zumindest noch nicht gemeldet... Ich denke eher, sie sind ein Gespinst der „fünften Kolonne“ - oder die „Götter“ der Kolumnenschreiber.

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